Hotline: +49 (0) 93 41 . 89 76 35

Nur wer stirbt wird leben

Siegfried Johannes Schwemmer

Nur wer stirbt wird leben

Karate als spirituellem Weg

Der Autor, Dr. phil. Siegfried Johannes Schwemmer, 4. Dan Karate, ein Schüler von Alfred Heubeck, ist Theologe und Pfarrer der Evangelisch Lutherischen Kirche in Bayern. Er übt sich in Karate auf dem Weg des Zen. Er hat sich intensiv mit Mystik beschäftigt und verbindet seinem Denken und seiner Praxis die Tradition der Kampfkünste mit der der christlichen Spiritualität. Dadurch öffnet sich ihm auf beide Systeme ein ungewohnter Blick.
Der Kämpfer steht für sich allein. Er ist bereit, jeden Nachteil für sich selbst in Kauf zu nehmen, um sein Ziel, seine Mission, seinen Auftrag zu erfüllen. Er kann nicht mit dem Beifall der Durchschnittsmenschen rechnen. Und er hat die Kraft, auf diesen Beifall zu verzichten.
Der Kämpfer kämpft dabei vor allem einen inneren Kampf. Er kämpft mit seinen Zweifeln, seiner Angst, seiner Einsamkeit. Er kämpft um seinen Mut, sein Mitgefühl und sein Durchhaltevermögen. Er kämpft darum, ein Mann zu sein, der seine Menschlichkeit nicht verliert.
 
Schwemmer zeigt, dass dies ein kulturübergreifendes Phänomen ist: Es zeigt sich in Buddhas einsamem Löwenruf, es liegt in der daoistischen Einsicht, dass derjenige auf den Beifall der Menge verzichten muss, der gemäß dem ewigen Weg lebt, und es ist in den kämpferischen Positionen zu finden, die Jesus gegen das Establishment seiner Zeit vertreten hat: Der Kämpfer steht für sich alleine. Und er ist bereit, die Konsequenzen aus seiner Haltung zu ziehen und sie vor aller Welt tragen.
 
Veredeltes Paperback
ledergenarbte Folienkaschierung
Format: 14 x 20 cm
Umfang: 208 Seiten
ISBN: 978-3-937745-25-1

€ 19,90 inkl. MwSt. zzgl. Versandkosten
Mehr zum Buch
Rezension

Es ist durchaus bemerkenswert, wenn ein Pfarrer Karate auf hohem Niveau ausübt (schwarzer Gürtel) und dabei Karate vor allem als geistliche Übung versteht. Noch bemerkenswerter ist, dass S. Schwemmer anmerkt, er habe über den Weg des Karate einen neuen Zugang zu seinem christlich geprägtem Glauben gefunden. Vor diesem persönlichen Hintergrund vergleicht der Autor fernöstliche Formen der Meditation (Zen) und der Kampfkunst mit der christlichen Tradition von Kampf und Kontemplation. Dabei spannt das Buch einen weiten Bogen: Laotse, Kungfuze und Sin Tsu kommen zu Wort und werden interpretiert. Wie Hugo M. Enomiya-Lassalle, Karlfried Graf Dürckheim u. a. geht S. Schwemmer davon aus, dass die Übungen des Zen (Teezeremonie, Bogenschießen, Karate) nicht in Widerspruch zur christlichen Tradition stehen, sondern sie ergänzen und vertiefen: „Dieses Buch ist eine Einladung, den Übungsweg der Kampfkünste kennenzulernen, Neues zu entdecken… und sich bewusst auf den Kampf des Lebens einzustellen.“ (S. 14)

In den ersten Kapiteln stellt der Autor verschiedene Möglichkeiten des Kampfes aus China und Japan vor: Den Weg des Schwertes, den Weg des Kriegers und des Weg des Karate. S. Schwemmer beleuchtet dabei die geistigen Wurzeln dieser verschiedenen Formen des Kampfes: Verbindung von Geist und Körper, Überwindung des Ichs, lebenslanges Üben, Hingabe und Bereitsein zu sterben. Die Verbindung von geistiger Orientierung und Ausübung des Kampfes wird im Karate besonders deutlich. Die fernöstliche Philosophie betont: Mach dich innerlich leer und löse dich von Selbstbezogenheit und Gier. Die Schriftzeichen des Karate bedeuten: „leere Hand“. Die „leere Hand“ steht dabei für waffenlose Selbstverteidigung. Erst die Reinigung des Geistes und das Leerwerden entwickeln die Willenskraft und stärken die Kraft des Körpers. Ausführlich geht der Verfasser auf die Bedeutung des Atems ein: „Das Wesen des Karate und all der anderen Kampfkünste ist das richtige Atmen.“ (S.154) Ebenso bedeutsam ist die volle Konzentration auf die jeweilige Übung: „Man darf das Leben nicht träumen, sonder muss ganz in dem sein, was man tut.“ (S. 157) Deutlich grenzt sich Schwemmer von Strömungen ab, die im Karate lediglich eine Kampftechnik sehen und zitiert dabei gerne den Karatelehrer Roland Habersetzer: „Diese ganz andere Dimension des Karate…., der Weg, der über das Anwenden der Kunst der leeren Hand zu einer harmonisch entwickelten Einheit von Körper und Geist führt, hat mit dem Streben nach sportlichen Höchstleistungen nicht viel zu tun.“ (S. 81)

Der zweite Teil des Buches reflektiert, wie in den Vätergeschichten des Alten Testamentes und in der Geschichte Israels, der Kampf als Ausdruck des Glaubens immer wieder aufleuchtet, z. B.: Jakobs Kampf an Jabok, Israels kriegerische Auseinandersetzungen im Zuge der Landnahme und Elijas Kampf mit den Baalspriestern. S. Schwemmer stellt in diesem Abschnitt das Motiv des Kampfes als Element der jüdisch-christlichen Tradition vor und kritisiert, dass die christliche Interpretation des Alten Testamentes dieses Motiv des Kampfes auf Leben und Tod weitgehend ausgeblendet habe. Dabei verkennt er nicht die dunkle Seite des Kampfes: „Die Geschichte des Elija zeigt den Kampf und den Sieg über die Feinde Gottes. Sie zeigt aber auch die Schattenseite des Kampfes. Auf die Aggression folgt die Depression.“ (S.93) Dieser zweite Teil des Buches fokussiert auch die kämpferische Seite Jesu und seine Konfliktfreudigkeit. Schon der zwölfjährige Jesus im Tempel grenzt sich von seiner leiblichen Familie ab und die Worte Jesu sind nicht frei von Provokationen gegenüber Schriftgelehrten und Pharisäern. „Nur wer stirbt, wird leben.“ – Den Titel des Buches bezieht der Autor auch auf das Wort Jesu: „Denn wer sein Leben erhalten will, der wird’s verlieren. Wer aber sein Leben verliert um meinetwillen der wird’s finden.“ (Matth. 16,25)
Vom Kampf des Glaubens und der „geistlichen Waffenrüstung“ spricht auch der Apostel Paulus und ermutigt seinen Weggefährten Timotheus: „Nimm auch du auch Mühsal und Plage auf dich, wie ein guter Soldat Jesu Christi.“ (S. 115)

Der dritte Teil des Buches führt über den Kampf des Glaubens hinaus und zeigt die soziale und politische Dimension des christlich motivierten Engagements. Ausführlicher geht dabei S. Schwemmer auf das Werk Dietrich Bonhoeffers ein. Zur Nachfolge Jesu gehören Gehorsam gegenüber den Geboten Gottes und das Loslassen der eigenen Pläne. Ebenso eindrucksvoll schildert der Autor den Kampf Martin Luther Kings. Trotz Morddrohungen und Anschlägen auf sein Leben kämpft er für die Rechte der Schwarzen in den USA. Anders als bei der fernöstlichen Meditation gehören in der westlichen Tradition Gebet und der Kampf für Gerechtigkeit und Frieden zusammen. Der Abschnitt „Christen kämpfen für das Leben“ verdeutlicht am Beispiel von Frère Roger Schutz, dem Gründer der Gemeinschaft von Taizé, dass zum aktiven Kampf die Kontemplation gehört. Sie ist die Kraftquelle für den Kämpfenden. Frère Roger sieht den Grund für den Kampf im Geheimnis des Osterfestes: „Von diesem Fest geht der Anstoß aus zum Kampf mit den unterdrückten Menschen. Wollten wir das Fest nur für uns haben – es würde sich selbst zerstören.“ (S.168)

Eugen Herrigel (Zen und die Kunst des Bogenschießens, 32. Aufl. 1991) und Karlfried Graf Dürckheim (Hara - Die Erdmitte des Menschen, 20. Aufl. 1992) haben in ihren Büchern die Übung im Geist des Zen einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. S. Schwemmer führt in diesem Buch in die fernöstlichen Kampfübungen ein und verbindet sie mit der christlichen Tradition. Übung und Gnade schließen sich dabei nicht aus: „Der Glaube und die Werke, die Übung und die Gnade gehören zusammen. Mein Wollen und Bemühen, mein Suchen und Bestreben sind aufgehoben in Gottes Barmherzigkeit.“ (S. 198)

Alle, die an geistlichen Übungen interessiert sind und neue Impulse für die eigene Spiritualität suchen, finden in diesem Buch viele Anregungen. Karate-Fans aus dem säkularen Umfeld gibt das Buch eine sehr gute Einführung in die spirituellen Grundlagen des Kampfsportes. S. Schwemmer verbindet fremde Welten miteinander: Den christlichen Glauben mit der Welt der Kampfsportes und den Kampfsport mit seinen religiösen Wurzeln.

Dr. Karl-Heinz Röhlin

Kontaktiere uns für kompetente Beratung

+49 (0) 9341 . 89 76 35 oder eMail »

Entdecke Karate und Budo Bücher aus der ganzen Welt.

Design & E-Commerce

Albrecht & Stöter | Designbüro

(Bremen / Germany)